Traditionelle Hochzeit im Emsland (ein Genuß)
Von kreuzdame am Mai 28, 2006 | In Vermischtes | 13 Feedbacks »
Grünholen, Kranzbinden, Lagerfeuer, Hahnenschlachten
Kürzlich durfte ich als Trauzeugin dem Großereignis einer traditionellen emsländischen „Deelenhochzeit“ beiwohnen. Die Feier dauerte eine Woche und die Bräuche waren für mich teilweise so ungewohnt, dass ich meine, andere kennen sie vielleicht auch nicht.
Jungesellinnenabschied/BH-Verbrennen
Das ganze ging mit einem typischen „Jungesellinnenabschied“ für die Braut los – wobei diese in ein Dirndel gesteckt wurde und das dann wieder ausziehen musste. Und bei jedem Gelenk über das das Dirndel abgestreift wurde, gab es einen Schnaps für die Braut. Zweck des Ganzen: an den BH zu kommen, der feierlich verbrannt, eingesargt und verbuddelt wurde. Soviel dazu.
Grünholen/Kranzbinden
Am nächsten Tag haben die Männer aus der Nachbarschaft „Grün“ geholt (Tannen im Wald geschlagen und dabei Bier und Schnäpse getrunken), die Nachbarinnen haben in der Zeit Kreppapierblumen gebastelt (und dabei Schnäpse getrunken). Daraus entstanden die Kränze für den Hauseingang der Familie und des Hotels wo gefeiert wurde. Diese wurden an zwei aufeinander folgenden Abenden mit großem Spektakel von den Nachbarn aufgehängt und dekoriert (dabei floß reichlich Bier und Schnaps). Das Brautpaar musste im Übrigen unter dem Kranz vor der Haustür zum –gesungenen– Schneewalzer schon mal Probetanzen.
Trauung (andere Konfession)
Die eigentliche Hochzeit war für mich auch ein Erlebnis; ich als Protestantin in der katholischen St. Jacobus-Kirche. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung was von mir erwartet wurde – habe aber wohl relativ fehlerfrei gehandelt (wobei der Kaplan schon schmunzeln musste, als ich beim Unterschreiben fast einen Frühstart hingelegt hätte und bei der Kommunion erst einmal ein paar Leute vorbei lassen musste, weil ich keine Ahnung hatte, dass man beim Abendmahl nicht – wie ich das kenne – um denAltar herum, sondern durch die Reihen geht. Ich habe auch beim Hinknien, Aufstehen und Singen jeweils erst mit leichter Verzögerung oder gar nicht reagiert und außer dem Vater unser kein einziges Gebet gekannt – geschweigen denn mitsprechen können).
Feier, Tänze, Entführung, Lagerfeuer
Die Feier im http://www.hotel-clemenswerther-hof.de/ war ausgelassen und schön. Ehrentanz (vor dem mir gegraut hatte, den ich aber mit dem Trauzeugen von Jörg gut bewältigt habe) und Schleiertanz (vier nahe stehende Menschen (in dem Fall auch wieder ich) auf Stühlen halten einen Schleier hoch, das Brautpaar tanzt darunter. Die Feiernden werfen Geld in den Schleier und erkaufen sich so einen Tanz mit dem Brautpaar.) waren mir vertraut, im Laufe des Abends habe ich noch den „Knotentanz“ gelernt (Danke an JH für jede Menge Drehungen und Muskelkater in den Lachmuskeln), die Entführung der Braut hatte ich erwartet, gen Ende der Feier erlebte ich aber etwas gänzlich Neues. Das Lagerfeuer. Die Band bat um ein Lagerfeuer, es wurden Kerzen gebracht und mitten auf die Tanzfläche gestellt. Die jüngeren Gäste setzten sich auf den Boden um das Feuer, die älteren auf Stühlen dahinter. Die Band spiele ein paar Lagerfeuerlieder und verabschiedete sich dann, die Feiergemeinde sang weiter. Alles, was das deutsche Liedgut so hergab – während das Brautpaar und die Trauzeugen herumgingen und, na was wohl, Schnäpse ausschenkten. Eigentlich hätte das Brautpaar um das Lagerfeuer auch noch tanzen sollen – das haben sich die beiden aber verkniffen.
Hahnenschlachten
Am Tag nach der Feier trafen sich die Gäste zum Ausnüchtern zum Mittagessen wieder. Beim Hahnenschlachten. Wobei das Brautpaar darum gebeten hatte nicht wirklich einen Hahn zu schlachten. Früher wurde wohl dem Brautpaar nach der Hochzeitsnacht ein Hahn geschlachtet und die Braut musste eine Hühnersuppe daraus zubereiten und damit beweisen, dass die ehetauglich ist. Meine Freunde haben die Suppe beim Gastronom bestellt und ein Metallhahn musste zur Deko reichen. Wobei ich die Braut entlasten möchte – ich kenne sie gut und weiß, dass sie eine Hühnersuppe kochen kann ![]()
13 Kommentare
BH (bzw. Hose bei den Männern) verbrennen, Kranzbinden, Trauung (ok - ich glaube das gibt es bei jeder Hochzeit ;) ), Ehrentanz. Schleiertanz kennt man, wird aber denke ich nicht so häufig gemacht (da hier eher Geschenke gekauft werden). Entführung der Braut habe ich persönlich noch nicht erlebt (aber wer will den zu der Zeit noch fahren bzw. sich von der Feier absetzen?? :) ), Lagerfeuer kenne ich nicht - hört sich aber auch nett an.
Klingt insgesamt nach nem gelungenen Wochenende!
LG, T.
Aber Dein Argument mit dem "Süden" ist natürlich richtig! lg
LG
Max
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